Mérida

Heute geht es weiter nach Mérida (spricht sich Meehrida, dafür der Akzent). Davon gibt es auch eins in Spanien, doch der Weg wäre nun wirklich zu weit. Wir packen uns langsam ein, ich schreibe noch ein Dankeskärtchen an den Gastgeber, während die Mädels noch einmal den kleinen Pool zum Planschen ausnutzen. Dann scheuche ich sie aber aus dem Wasser, denn, was außer mir noch keiner weiß, haben wir bislang kein Taxi, das uns zum Bus fahren kann und der Weg ist zwar nicht so weit, aber mit Koffern doch immer eher beschwerlich.

Da uns der Gastgeber in dieser Beziehung leider auch nicht helfen kann, laufen wir letztlich aber doch los und können erst an der Hauptstraße eins fangen, das uns dann zur Bushalte bringt. Dummerweise ist das, wie wir nachträglich herausfinden, die falsche, denn da habe ich mich vertan und an der richtigen ist der Bus nu weg. Fäck! Das bemerken wir aber erst, als der große Bus einer anderen Gesellschaft hält und in unsere Richtung fahren will. Und dann geht es los.

[Wir alle vier Koffer rein]. Wo wollt Ihr denn hin? Nach Mérida. Na, das ist die andere Richtung. [Koffer wieder raus]. Aber unser Ticket geht über Valladolid. Na das ist diese Richtung. [Koffer wieder rein]. Aber Ihr habt ja ein ADO-Ticket, das hier ist die Oriente. [Koffer wieder raus]. Die ADO fährt hier ja gar nicht, aber Ihr könnt ja auch hier mitfahren. [Koffer wieder rein].

Wir also letztlich alle in den Bus. Das kostet 150 Pesos. Ich habe aber kaum noch Pesos, nur noch Dollars. Ich, verzweifelt, können Sie das wechseln? Nein, tut mir Leid. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon wieder diese ganzen Koffer rauszerren, doch da kommt uns ein anderer Busfahrer zuhilfe und wechselt alles freundlich (9 Dollar), damit wir alle endlich weiterkommen. Währenddessen stehe ich schweißtriefend im Bus und entschuldige mich bei den Fahrgästen, die aber gänzlich entspannt auf die Weiterfahrt warten. Dann ist alles geregelt und wir suchen uns einen Sitzplatz, um nach Valladolid zu fahren.

Die Oriente-Busse sind schon deutlich weniger komfortabel als unsere üblichen ADO-Busse (kein Fernseher, alles etwas enger), gekühlt wird aber trotzdem, was das Zeug hält. Und so gurken wir wieder durch die Landschaft, die hier noch wesentlich vom Urwald geprägt ist. Irgendwo liegt eine tote Schlange auf der Straße und am Straßenrand steht auch mal ein Jaguar-Warnschild.

Dann fahren wir ein in Valladolid, doch einfahren ist irgendwie falsch, denn einkriechen paßt besser. Der Fahrer scheint die Gänge nicht mehr reinzubekommen, da das Getriebe allem Anschein nach hin ist. So bleiben wir letztlich mitten auf der Straße liegen und der Fahrer probiert alle paar Minuten, den Bus wieder zum Fahren zu bewegen.

Nach ca. 10 Minuten fruchtloser Versuche werden die ersten unruhig (darunter auch wir) und Vereinzelte steigen sogar aus und gehen zu Fuß weiter. Das halten wir dann auch für ne super Idee (können ja ein Taxi nehmen, denken wir) und wir lassen uns den Kofferraum öffnen (mitten auf der Straße), holen die vier Dinger raus und stellen uns an den Straßenrand. Da steht schon eine Familie aus dem Bus, die anscheinend auch auf ein Taxi wartet. Wir also dazu.

Doch die Einfallstraße scheint ein schlechter Ort zum Taxifangen zu sein, denn erst kommt mal gar keins vorbei und später fahren sie immer an uns vorüber, ohne uns mit dem Hintern anzukucken. Inzwischen schafft es der Busfahrer, den ersten Gang reinzuwürgen und kriecht langsam auf der Straße davon.

Ich spreche die Familie an, die schon mit irgendwem telefoniert haben (auf Maya) und frage sie, ob wir mit denen mitfahren können in die Stadt. Die so, ja klar, wenn Platz genug ist. Doch dann kommt das Taxi, das natürlich zu klein ist. Der Fahrer verspricht aber ein größeres Taxi zu ordern und fährt dann ab. Wir also wieder zurück in den Schatten, wo es auch 30°C heiß ist, aber immerhin schattig.

Lange Zeit passiert wieder nichts, doch jetzt fahren immerhin wieder Taxis vorbei. Irgendwann haben wir aber keine Lust mehr auf Warten und versuchen wieder eins zu fangen. Doch immer noch kein Glück. Nicht mal das tankende Taxi nebenan will uns mitnehmen. Also gehen wir leicht genervt los und rollen in Richtung Innenstadt, als endlich doch noch das versprochene Großtaxi kommt. Für 100 Pesos will er uns fahren und wir alle rein.

Das Gefährt ist ein ziemlich schrammeliger alter Minibus, ungekühlt, dafür aber auch kaum gefedert, voll lustig 🙂 Die Fahrt geht durch enge, vollgestopfte Straßen und als wir ankommen, hält der Mann halb auf der Straße und klaubt unsere Koffer raus.

So, hundert Pesos. Ich so, äh, habe nur noch 50 aber nehmen Sie Dollars? Nein. Ich so: Äh, was jetzt? Er so, gib her, nimmt die 50 und fährt wieder weg.

Einerseits tut es mir Leid, ihm zu wenig zu geben, andererseits empfinde ich es als sehr erfrischend, daß hier die Situation nur als „blöd gelaufen“ abgeschrieben wird und man einfach weitermacht, denn das macht das Leben ja auch. In Deutschland wäre man sicher noch durch 30 Läden getingelt, bis man einen Geldwechsler gefunden hätte. Mexiko ist da so schön lebenspraktisch. Nicht ärgern, weitermachen. Naja, vielleicht ärgert er sich trotzdem, aber er macht halt einfach weiter.

Dann kaufen wir uns ein Billettchen am Schalter, warten etwas und steigen dann in den Bus nach Mérida. Keine vier Stunden Fahrt und schon sind wir da. Nun ist es aber schon spät und trotz UBER-Verfügbarkeit, kommen wir erst nach Dunkelheit in unserer neuen, sehr fancyen Bleibe an. Wir richten uns noch flink ein, überfallen einen OXXO an der nächsten Ecke und begeben uns dann zur Ruhe. Haben auch so genug für den Tag erlebt.

Der nächste Tag beginnt wieder entspannt, denn alle gönnen sich etwas Ruhe. Während Lucy noch die Grenzen des WLANs austestet, wollen Sunja und ich mal raus, was einholen, Wäsche wegbringen, Kaffee trinken und einfach mal nen Fuß vor die Tür setzen. So machen wir uns mal fix auf, bringen die Wäsche in eine kleine, sehr freundliche Wäscherei und setzen uns dann in das kleine Café schräg gegenüber. Da erreicht uns aber unser Kind und sagt, es habe sich ausgesperrt. Jeminee. Zum Glück alles in geschütztem Raume und sie sei auch schon zum Concierge gewesen, doch keiner habe einen Schlüssel. Der ist ja auch drinnen.

Wir also zurück, unser etwas aufgelöstes Kind trösten und um Eingang ersuchen. Zum Glück sitzen wir nicht lang vor der Tür, denn es kommt schon bald der Inhaber/Geschäftsführer/Whatever des Gebäudekomplexes und öffnet die Tür per digitalem Türcode. Puh, Glück gehabt. Sonst hätten wir über die Mauer auf die Terrasse klettern müssen und Hasi hätte die ganze Zeit dort allein gesessen.

Nun sind alle wieder beruhigt und Sunja und ich gehen wieder aus, die große weite Welt erkunden. Sie will einkaufen, ich beschließe, ins Gran Museo del Mundo Maya zu fahren. Da will sonst sicher niemand mitgehen, also mach ich das mal allein.

Die Fahrt dauert schon ein bißchen, denn das Museum liegt etwas weiter raus. Ich schwätze, wie immer mit dem Fahrer und wir sprechen über die Auswirkungen der Pandemie hier und da, weil hier immer noch häufig Masken im Einsatz sind. Seien auch viele Menschen hier gestorben, sagt er. Schlimm, schlimm! Ein Glück, daß das vorbei sei.

Dann sind wir da und ich stehe vor dem großen, modernen Gebäude. Davor stehen Bäume, an denen Gurken wachsen. Sind aber gar keine, denn wenn sie aufgehen, kommt da sowas wie Baumwolle raus. Voll witzig. Im Gebäude geht dann alles um die Kultur der Maya. Spannenderweise fängt es mit der Zeit nach der Unterwerfung durch die Spanier an bis in die Gegenwart. Finde ich gut, denn damit verdeutlichen sie, daß die Maya nicht alle tot und long, long gone sind, sondern deren Nachfahren und ihre Traditionen bis heute weiterleben. Da paßt es auch sehr gut, daß alle Beschriftungen in drei Sprachen (Spanisch, Englisch, Maya) zu lesen sind. Im zweiten Teil geht es dann um die vorspanische Hochkultur, deren Ausbreitung und Errungenschaften. Und da gibt es natürlich genausoviel zu sehen.

Ausgestellt sind vielerlei Artefakte von Schmuck, Keramik und Werkzeugen bis hin zu ganzen Tempelfassaden und alten Codices, also quasi Bücher. Die hatten die Spanier ja fast alle verbrannt und es ist ein Glück, daß wenigstens einige sehr wenige erhalten geblieben sind.

Und mittdendrin steht dann ein Terminal, an dem man sich sein persönliches Maya-Horoskop mitsamt Maya-Kalenderdaten erstellen kann. Das mache ich natürlich sofort für die ganze Familie, damit die auch was von meinem Besuche haben. Für mich kommt dabei heraus, daß ich klug, analytisch und großzügig bin und mein Geschick selbst bestimme. Finde ich natürlich super und glaube ich sofort.

Die Ausstellung zeigt dann noch ein paar Dinge zu technischen Leistungen der alten Maya wie Pyramidenbau ohne Rad oder Transportmittel, Wasserspeicherung in künstlichen unterirdischen Kavernen und natürlich die Erfindung der Zahl Null, was in Europa erst viel später passierte. Hinzu kommen die beachtlichen astronomischen Kenntnisse und deren Verbauung in die sakrale Architektur, wodurch Sonnenwenden, Tag- und Nachtgleichen und noch weitere wichtige Daten präzise vorausberechnet sowie u.a. die Pyramiden danach ausgerichtet wurden (wie in Chichén Itzá gesehen). Schon dolle!

Dann aber ist der Rundgang zu Ende und ich trete wieder vor die Tür. Da ist es wieder heiß und hell und ich beschließe, den Rückweg zu Fuß anzutreten. Sind ja nur so 5-6 Kilometer. Allerdings hat die hiesige Gegend einen Charme, der vergleichbar mit der Kieler Straße in Hamburg ist, also eher wenig. Egal, auch das muß erlebt sein. Und so mache ich mich auf und latsche und latsche und latsche, bis ich dann zu Haus bin.

Wieder „daheim“ werde ich begrüßt und Lucy will jetzt auch mal vor die Tür, auch im großen Supermarkt Kram ankucken und Zeugs kaufen. Zu essen kann man ja auch nie genug haben, hihihi. Also gehen wir noch einmal raus, schnappen uns am Eingang einen Einkaufswagen und fahren die Rolltreppe damit rauf.

Auch dieser Laden erinnert an die französischen Hyper Marchés oder die Metro in Deutschland, in denen man einen ganzen Tag verbringen kann. Zuerst gibts allerhand Klamotten, von denen wir aber nichts wollen, obwohl es auch Unterhosen gibt, die fast so heißen wie ich und dann doch wieder gar nicht (nicht Rikl sondern Rlkl). Dann gehts weiter zu Obst und Gemüse, wo es lauter Früchte gibt, die keiner kennt. Naja, also wir kennen sie halt nicht. Unter anderem eßbarer Kaktus und eine Frucht Namens Mamey. Letztere hat orangenes Fruchtfleisch und ich nehme mir vor, jedesmal eine andere neue Frucht zu probieren. Heute ist es Chayote, die sich als gute Reisefrucht herausstellt: fest, nicht klebrig und schmeckt nach Gurkenbirne. Dann schlendern wir gemütlich am Eisregal entlang, wo noch Eis gekauft werden muß, denn wir sind in Mexiko und es ist heiß.

Dann gehen wir, gemütlich Eis schleckend wieder nach Hause. Heute ist Earth Hour und zwar überall, doch ich finde im Internetz keinerlei Veranstaltung dazu, also bleiben wir schlicht zu Haus und gammeln uns in den Abend hinein. Auch mal sehr gut, denn erleben tun wir dieser Tage wirklich genug.